Editorial

FEBRUAR

Kulturstaatsminister

Das Amt des Kulturstaatsministers gibt es seit 1998. In gut 23 Jahren wurde es von sechs Personen wahrgenommen und das in sieben Legislaturperioden. Und ja, wir kennen die Kulturstaatsminister und -ministerinnen auch fast alle bzw haben sie ‚live‘ vor Ort gesehen: immer bei den großen deutschlandweit stattfindenden Kinopreisverleihungen des Bundes, bei denen das Kreml Programmkino seit 1998 in ständiger Regelhaftigkeit jährlich mit einem Preis betraut wird – sei es für das herausragende Gesamtkinoprogramm, das gute Kurzfilm-, Dokumentarfilm- oder Kinderfilmprogramm.
Geschaffen wurde das Amt von der ersten rot-grünen Regierungskoalition unter Kanzler Gerhard Schröder im Jahr 1998 für Michael Naumann. Naumann zuliebe wurde eigens das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Parlamentarischen Staatssekretäre geändert. Die Hilfsministerposten sind nach englischem Vorbild eigentlich für die Versorgung von Abgeordneten da, weil die Regierungsarbeit im parlamentarischen Regierungssystem einen so hohen Erklärungs- und Darstellungsbedarf erzeugt, dass die Ressortminister ihn schlecht ohne Unterstützung erfüllen können. Seit 1998 müssen die dem Bundeskanzler direkt zugeordneten Parlamentarischen Staats-sekretäre, die wie ihre Kollegen im Auswärtigen Amt den schmückenden, wörtlich aus dem Lexikon von Westminister übersetzten Titel ‘Staatsminister‘ tragen, keine Mitglieder des Bundestages mehr sein. Diese Lex Naumann läuft seit 2005 allerdings im Kulturbereich ins Leere, da die beiden in der Folge von der CDU gestellten Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Monika Grütters aus dem Bundestag kamen und ihr Mandat behielten. Auch die Grünen haben im Herbst letzten Jahres für die ihnen überraschend zugefallene Grütters-Nachfolge eine langjährige Bundestagsabgeordnete nominiert: Claudia Roth, die erst kürzlich von ihren Abgeordnetenkollegen ein zweites Mal zur Vizepräsidentin des Parlaments gewählt worden war. Die Kulturstaatsminister von 1998 bis 2005 waren, institutionssoziologisch betrachtet, eine paradoxe Seltenheit: nämlich parlamentarische Staatssekretäre ohne Sitz im Parlament. Die Besetzungen seit 2005 markieren von daher eher eine Normalisierung des Amtes im Sinne seiner Einbeziehung ins parlamentarische Pfründewesen.
Naumanns erster Nachfolger Julian Nida-Rümelin steht für das gescheiterte Experiment mit dem Typus des Parteiintellektuellen mit formellen hochkulturellen Meriten. Sein akademischer Ruhm in der analytischen Philosophie dürfte mutmaßlich wichtiger für seine Berufung gewesen sein als die zwei Jahre, die er seiner Geburtsstadt München als Kulturreferent diente. Anders lagen die Gewichte bei seiner Nachfolgerin Christina Weiss: Sie war als Literaturkritikerin und Leiterin des Hamburger Literaturhauses bekannt geworden, amtierte dann aber ein volles Jahrzehnt lang als Hamburger Kultursenatorin. Im Vergleich mit Angela Merkels Staatsministern (ab 2005) gibt es hier allerdings Unterschiede: Bernd Neumann war der ewige Vorsitzende des winzigen Bremer CDU-Landesverbands, Grütters hat ihre Parteikarriere im ähnlich unbedeutenden Berliner Verband absolviert. Beflissen hatte sie sich als Fachpolitikerin qualifiziert, aber der großen Öffentlichkeit war sie bei ihrer Ernennung 2013 unbekannt. Claudia Roth hingegen ist eine der bekanntesten Politikerinnen der Republik und in der Kulturszene bekannt als ehemalige Managerin der Polit-Rockband ‘Ton, Steine, Scherben‘ in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre. Dass eine ehemalige langjährige Bundesvorsitzende ihrer Partei bereit ist, der Kultur zuliebe noch einmal ein Staatsministeramt zu übernehmen, ist ein Zeichen für das mittlerweile erlangte Gewicht dieses Politikfeldes, das nach den Maßstäben der Berufspolitik nicht deutlicher hätte ausfallen können.
Und für alle gilt und galt: Der oder die Beauftragte der Bundesregierung für die Kultur (so auch eine Bezeichnung für das Amt des Kulturstaatsministers) muss ohnehin durch persönliche Überzeugungskraft ausgleichen, da sich der Zuständigkeitsbereich nicht unbedingt in bürokratische Schemata einfügen lässt. Das passt allerdings nicht schlecht zur Kultur, der eigentlichen Sphäre des Ungeplanten.

 

Kreml Kulturhaus – Die Redaktion

JANUAR

Orte der Begegnung und des Austauschs schaffen

Der Beginn eines neuen Jahres nährt auch die guten Vorsätze, endlich mal all das zu tun, was man ja so lang schon vorhatte und was uns wirklich guttut. Nach dem Innehalten zwischen den Jahren sowie manchen gefühlten sowie echten Lockdowns schärft sich der Blick für Dinge, die uns wichtig sind. Was braucht die Gesellschaft für ein glückliches Miteinander? Was brauchen wir individuell, um glücklich zu sein? Was kann der Kreml dazu beitragen?
Zum Glück sind Menschen unterschiedlich und genauso vielfältig sind auch deren Wünsche an das Kulturhaus. Daneben steht die Aufgabe des Mehrgenerationenhauses, Bedarfe für Unterstützungsangebote zu erkennen und umzusetzen. Im Laufe eines Jahres werden viele Projektideen an uns herangetragen. Sei es im Sozialbereich, in der Weiterbildung oder als Idee für ein kulturelles Projekt. Was es so spannend macht, ist, dass diese Ideen die Diversität der Gesellschaft spiegeln. Und möglichst Jede(R) soll sich in den Angeboten des Hauses wiederfinden können. Allem voran setzt der Kreml auf Begegnung, in unserer Gastronomie beim Mittagstisch oder beim geselligen Klönen mit Freunden, im Kino, bei Kulturveranstaltungen oder im offenen Spielzimmer des Mehrgenerationenhaus. Besonders in diesen Tagen, wo sich Lebenswelten sehr stark verändert und teilweise zu großer Verunsicherung geführt haben, muss es Orte geben, an denen man zusammenkommen kann, wo es Austausch gibt, und man Unterstützung finden kann. Gemeinsam treten wir besonders im Mehrgenerationenhaus der Vereinsamung von Menschen entgegen, indem wir Möglichkeiten schaffen, miteinander Zeit zu verbringen.
Für alle, die sich schützen möchten, kann das der Computerkurs für Senioren mit Hilfe der Plattform Zoom sein, oder das Treffen des Kreml-Chors zur digitalen Chorprobe, der online Yoga- oder Faszien-Kurs oder ein Englischkurs im E-Learning Format. Besonders im Angebot an Kursen oder Vorträgen finden sich immer mehr Möglichkeiten, auf Distanz und trotzdem dabei zu sein. Wir setzen unser Programm fort und laden zum Besuch im Kreml ein.
Den Kritikern geben wir Recht, dass all dies die echte Begegnung nicht ersetzen kann. Nicht alle Kursangebote können in ein digitales Format übertragen werden. Manche unserer Kursangebote sind auch weiterhin nur in Präsenzform möglich. Sicher wäre es unkomplizierter ohne Beschränkungen und Hygienepläne. Lassen Sie sich nicht entmutigen, sprechen oder rufen Sie uns an und erfragen die aktuellen Regelungen.
Kommen Sie auch im neuen Jahr ins Kreml-Kulturhaus, wir freuen uns auf Sie und sind gerne für Sie da.

Tipp: Unserer Offener Treff mit Mittagstisch öffnet am Mittwoch, den 5.1 um 11 Uhr wieder seine Pforten – wir begrüßen Sie zum neuen Jahr. Und vorab gibt es am Sonntag, den 2.1, ebenfalls um 11 Uhr erstmals eine Neujahrs-KinoMatinée mit Frühstück und dem preisgekrönten Film ‚Nomadland‘.

 

Kreml Kulturhaus – Die Redaktion