Editorial

Herausforderung Demenz:
Trotz Coronakrise den Alltag meistern
Seit einem guten halben Jahr nun leben wir einen stark veränderten Alltag, maskieren uns in der Öffentlichkeit und unternehmen große Anstrengungen, damit wir uns im Dschungel der Hygieneverordnungen nicht verlaufen. Kaum vorstellbar, was diese Alltagsbedingungen für einen dementen Menschen bedeuten. Es gelten neue Regeln gesellschaftlichen Lebens, verhüllte Gesichter erschweren das Einordnen von Mimik, und Abstand halten gehört auf einmal zum guten Ton. Zumeist gehört der Demente zur Risikogruppe und wird vorsichtshalber abgeschottet. Über die Auswirkungen wie Besucherbeschränkungen in Pflegeinrichtungen und massive Belastungen des Pflegepersonals wurde in den Medien bereits berichtet. Gravierend sind jedoch auch die Konsequenzen der Beschränkungen auf die häusliche Pflegesituation. Ist es doch fast unmöglich geworden, mit einem dementen Angehörigen Freizeitangebote wahrzunehmen, oder Besuch, beispielsweise von Freunden oder Angehörigen, zu empfangen. So wird neben der Pflegesituation auch noch die Isolation zur Belastung. Ende Oktober öffnet nun Café Zeitlos nach einer längeren Pause in der Begegnungsstätte Hahnstätten wieder seine Pforten. Ein ausgeklügeltes Hygienekonzept ermöglicht nun sogar an bis zu drei Nachmittagen in Kleinstgruppen die Entlastung pflegender Angehöriger, während die oder der Demente einen Nachmittag in geselliger Runde verbringen kann. Möglich ist dies durch eine Kooperation des Mehrgenerationenhauses Kreml mit dem DRK Mittelrhein und dem DRK Ortsverein Hahnstätten unter fachlicher Leitung von Petra Pütz. Großer Dank gilt den Freiwilligen, die in solch komplizierten Zeiten ehrenamtliche Betreuungsleistungen erbringen. Hier gilt es, wie momentan überall, das persönliche Infektionsrisiko mit dem Wunsch und der Notwendigkeit von Freiwilligenengagement abzuwägen. Falls die Mobilität der Betroffenen sehr stark eingeschränkt ist, gibt es auch noch den Besuchsdienst von Café Zeitlos. Nach individueller Vereinbarung kommt Brigitte Zollmann ins Haus und gestaltet ein paar Stunden im häuslichen Umfeld. Das niederschwellige Betreuungsangebot Café Zeitlos ist eines der knapp 40 Partner der Demenz-Netzwerke Rhein–Lahn. Vor gut einem Jahr hatten sich die 4 regionalen Demenznetzwerke des Rhein-Lahn-Kreises zusammengeschlossen und eine Koordinierungsstelle im Kreml-Kulturhaus eingerichtet. Ziel der Demenznetzwerke ist es, mit größtmöglicher Schlagkraft das Thema Demenz in die Öffentlichkeit zu tragen. Rat und Hilfe erhalten Betroffene bei den 4 Pflegstützpunkten des Kreises und bei jedem der einzelnen Kooperationspartner. Ganz neu ist das Angebot von Online-Schulungen zum Thema Demenz, welches kürzlich mit der sehr erfolgreichen Basisschulung Demenz seinen Auftakt genommen hat. Unter dem Titel: „Gut informiert für den Pflegefall“ folgt nun am 28.10. ein weiteres Online-Seminar. Für die Zukunft setzen die Netzwerker auf eine Mischung aus Online- und Präsenzveranstaltungen, denn selbst das beste Internetformat kann nicht immer ein persönliches Gespräch ersetzen. Überall im Kreis finden Angehörigengesprächsrunden statt. Nachdem es nun kühler wird, nicht mehr im Garten, wie jüngst im Kreml-Kulturhaus, sondern in kleinen Gruppen in dafür geeigneten Räumlichkeiten. Nutzen Sie die Angebote der Demenz Netzwerke, um Beratung und Entlastung zu finden. Weitere Informationen unter www.demenz-rhein-lahn.de oder www.facebook.com/DemenzRheinLahn oder direkt im Kreml unter Fon 06430-929724, Silke Löhr.

Kreml Kulturhaus – Die Redaktion