Kinder- und JugendKunstWerkstatt
im Kreml-Kulturhaus
Das KREML Kulturhaus in der Gemeinde Zollhaus/Hahnstätten, als soziokulturelles Zentrum der Region, ist seit über 10 Jahren Garant für chancengleiche und qualitativ hochwertige kulturelle Bildungsarbeit. Als Forum für die verschiedensten Kultur- und Bildungsveranstaltungen wird den Interessenten unabhängig von deren sozialem Milieu der Zugang zu Kunst und Wissen, also den maßgeblich gesellschaftsformenden Disziplinen nicht nur des 21. Jahrhunderts, ermöglicht. Dabei besteht der Leitgedanke des KREML- Kulturhauses (Kultur Regional und Modernes Lernen) nicht nur in der Grundversorgung der relevanten kulturellen Bedürfnisse einer Gesellschaft, sondern gerade in der Erschließung und Förderung des Interesses an Kunst in allen Erscheinungsformen besonders bei Kindern und Jugendlichen.
Kinder und Jugendliche bilden den Kern einer sich stets erneuernden Gesellschaft, die gerade durch ihre permanente kulturelle Metamorphose lebensfähig bleibt. Es muss daher unbedingte Zielsetzung sein, Heranwachsende in einen Zustand zu bringen, in dem sie selbst die Kompetenz für diese kulturschöpferische Leistung innehaben. Dazu ist es nicht ausreichend, die individuelle Basis-anlage für diese Kompetenz anzuerkennen, vielmehr muss diese gezielt angeregt und gefördert werden. Wie die Shell Studie 2006 zeigt, schwindet - katalysiert durch die zunehmende mediale Flut, der Kinder und Jugendliche immer früher unreflektiert ausgesetzt sind - ebenjenes Grund-interesse jedoch schleichend: Übergreifendes Bewusstsein und Offenheit als Keimzellen des Abstraktionsvermögens und damit einem wichtigen Teil der kreativen Kompetenz, werden zunehmend durch ökonomisiertes, einseitiges Denken oder sogar völliger Abschottung als Resultat regressiver Bewältigung von Angstfaktoren ersetzt. Aus dieser Entwicklung erklärt sich der immanente Handlungs-bedarf, dessen Anspruchscharakter an die Gesellschaft keinesfalls übergangen werden darf.
Zentral ist an dieser Stelle ein pädagogisches Konzept, das die freie Entfaltung der Kinder und Jugendlichen und deren eigenständigen Lern- bzw. Entwicklungsprozess nicht einengt, sondern vielmehr eine Hilfestellung und Quelle für Anregungen darstellt, fördert und fordert. Der Schwer-punkt liegt dabei auf der Entwicklung kognitiver und nonkognitiver Fähigkeiten, die durch die Verbesse-rung der individuellen Ausdrucksmöglichkeiten und der Erschließ-ung kreativer Potentiale letztlich auch eine Ver-besserung der Lebensqualität darstellt. Der Erwerb ebendieser Schlüs-selqualifikationen hat eine außerordentliche Signifikanz für die individuelle Entwicklung und ist Basis für ein sinnerfülltes Leben.
Das Konzept Jugendkunstschule ermöglicht Kindern und Jugendlichen einen freien Zugang zu diesen grundlegenden Erfahrungen, und entspricht damit dem Gleich-berechtigungsgedanken durch die niedrigschwellige Arbeitsweise. Diese Tatsache sowie der integrative Beitrag, den Jugendkunstschulen leisten können, entsprechen dem soziokulturellen Leitbild des Kreml-Kulturhauses, das mit dem angestrebten Werdegang zur Jugendkunstschule Raum bieten möchte für kreative Selbstentfaltung und Persönlichkeitsbildung.
Mit dem Aufbau einer Jugendkunstwerkstatt geht gleichzeitig der Aufbau von Kooperationen bzw. eines Kooperati-onsnetzwerks Kunst und Kultur einher. Daran beteiligen sich verschiedene Kooperationspartner in der Region wie Schulen (u.a. Grundschule u. Regionale Schule in Hahnstät-ten, Berufsbildende Schule in Diez), Kindertagesstätten, Kunst- und Kulturvereine/-initiativen (u.a. die KunstKultur-Naturwerkstatt KuKuNat in Netzbach), Büchereien der Region sowie Jugendhäuser/Jugendfreizeitstätten vor Ort.
Als Räumlichkeiten stehen der Jugendkunstwerkstatt im KREML Kulturhaus der Medienraum, der Musikkeller, das Erkerzimmer/Klavierzimmer, die Kunst-, Kultur- und Natur-werkstatt KuKuNat (Netzbach), verschiedene Außenberei-che mit dem Spiel-u. Begegnungsraum am KREML, der Pfadfinder- und Streuobstwiese (Zollhaus) sowie dem Schmetterlingsgarten (Rückershausen) zur Verfügung. Darüber hinaus werden die Kultursäle, die Mansarde sowie der Kinosaal im KREML bei Bedarf genutzt.
Leitidee, Kernziele, Aktivitäten im Überblick
Leitidee:
Zentrales Anliegen eines soziokulturellen Zentrums wie dem KREML Kulturhaus ist es, mit einer Jugendkunstwerk-statt kulturelle Bildung in die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen einzubringen. Dabei stellt vor allem der schöpferische Umgang mit Kunst und Kultur für Kinder und Jugendliche eine Ermutigung dar, neue Welten zu entdecken, sich damit auseinander zu setzen und sie sich an-zueignen.
Kernziele:
1. Kulturelle Bildung gilt als ein wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Sie vermittelt kognitive und nonkognitive Kompetenzen und trägt zur emotionalen und sozialen Entwicklung wie zur Integration in die Gemeinschaft bei.
2. Über die Vielfalt von kultureller Bildung sollen junge Menschen vor allem auch einen Zugang zu ihrer eigenen Kreativität finden, sie sollen ihr eigenes künstlerisches Potential bzw. kindgerechten Kreativmöglichkeiten entdecken u. darstellen.
Aktivitäten im Überblcik:
1. Künstlerische Kreativangebote - Malen, Gestalten, Modellieren, LandArt, Filzen, Flechten, Zeichnen; Spezielle Kreativwerkstätten an Ostern, im Sommer, im Herbst und an Weihnachten
2. Video-/Film- und Fotoprojekte für Kinder und Jugendliche
3. Musikpäd. Angebote für Kinder u. Jugendliche an den Instrumenten Gitarre/ E-Gitarre, Klavier, Percussion, Schlagzeug
4. Literaturwerkstatt
5. Theaterworkshops; Kindertheatertage
6. Angebote im interdiszipl. Bereich "Kunst-Kultur-Natur/Ökologie"
7. Spezifische kulturelle Aktivitäten für Mädchen
8. Kreativprojekte gemeinsam mit Kindergärten, Grundschulen, Regionalschulen, weiterführenden Schulformen
9. SchulKinoWochen
10. Offene Kreativitätsförderung
Sparten der Jugendkunstwerkstatt
- Computer und Digitale Medienkunst
Die Beschäftigung mit digitalen Medien steht bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs. Dieses Interesse wird häufig zu einseitig als reines „Sich berieseln lassen“ abgeurteilt - viel zu selten wird der künstlerische Anspruch digitaler Medien wahr- und ernstgenommen. Dabei bieten sie eine große Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten, und holen zudem Jugendliche in ihrer Lebenswirklichkeit ab.
Das Kreml-Kulturhaus bietet speziell Kurse für den Umgang mit neuen Medien an, die den Teilnehmer-/innen nicht nur den großen Spielraum der individuellen Gestaltung aufzeigen, sondern gleichzeitig immer auch den kritischen Umgang mit der Bilderflut trainieren.
Der Videodreh für Kinder „Filme machen wie die Profis“ soll es Kindern ermöglichen, selbst nach eigenen Vorstellungen ein Drehbuch zu schreiben und es zu verfilmen. Die ge-meinsame Verwirklichung einer Idee schult das Teamver-ständnis und gibt Anreize, die erlernten Methoden auf ihre Freizeitgestaltung zu übertragen.
Ein ähnliches Konzept ist Grundlage des Fotoworkshops, bei dem Techniken des Fotografierens ebenso Inhalt sind, wie die anschließende digitale Nachbearbeitung der Bilder und das Basteln mit den fertigen Fotos. In diesem Zusam-menhang wird immer auch die Manipulierbarkeit von Bildmaterial thematisiert, mit dem Ziel, dessen Absolut-heitsanspruch zu relativieren und den Impuls zum kritischen Hinterfragen zu geben.
Die rege Inanspruchnahme der Kurse spricht deutlich für das Interesse der Kinder und Jugendlichen, selbst aktiv die Medienwelt zu gestalten, und regt an, die Sparte in den nächsten Jahren weiter auszubauen.
- Malen/Basteln/Modellieren/Plastisches Gestalten
Als Jugendkunstschule liegt natürlich die Förderung der angewandten bildenden Kunst im Interesse des Kreml-Kulturhauses. Der schöpferische Akt unmittelbar am Werksgegenstand ist eine Fusion multilateraler Impulse, die sich sowohl auf den sensomotorischen als auch auf den kognitiven Bereich erstrecken. Daher bedeutet das Ver-mitteln von Umgangstechniken mit verschiedenen Materi-alien nicht nur die Pflege historischen Kulturguts und die Erweiterung des individuellen Kenntnisspektrums der Kinder und Jugendlichen, sondern vielmehr impliziert dies auch einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmer-/innen.
Es ist ein Anliegen des Kreml-Kulturhauses, ein möglichst breites Spektrum an Angeboten im Bereich der bildenden Künste zu ermöglichen, sodass die ebenso vielfältigen Cha-rakterprofile der Kinder und Jugendlichen respektiert und ihre Individualität im Programm ihrer Jugendkunstschule widergespiegelt werden. Im Rahmen der betriebseigenen Leitgedanken ist dabei der pädagogische Wert der Jugend-arbeit ebenso wichtig wie das Übermitteln der In-halte selbst. Zentral ist hier die gegenseitige Wertschät-zung und die Anerkennung der jungen Ausdrucksform als Kunst.
Das aktuelle Programm beinhaltet zu gleichen Teilen die an historischen wie modernen Künstlern orientierte Herangehensweise an das Material und den freien Um-gang damit. Der Grad der Anleitung hängt dabei von der Altersgruppe und dem Themenschwerpunkt ab, Ziel ist es jedoch, einen möglichst großen Freiraum für eigene Initiativen der Teilnehmer-/innen einzuräumen.
Hierzu wurde unter anderem eigens ein Programm konzipiert, das aus in Zyklen wiederkehrenden Kurseinheiten besteht und unter dem Motto „Spurensuche“ seit nunmehr drei Jahren sehr erfolgreich ist. Die Basismodule sind jeweils wahlweise einer Kunstepoche, einem Material oder einem/einer bedeutenden Maler-/in gewidmet, deren spezifische Werksmerkmale gemeinsam analysiert, plastisch nachvollzogen und individuell abgewandelt bzw. weiterentwickelt werden. Da dies eine hohe Anforderung an die Kursteilnehmer-/innen darstellt, werden die Kurse für je zwei Altersgruppen entwickelt und pädagogisch angepasst durchgeführt. Die Kinder und Jugendlichen sollen dadurch inspiriert und ermutigt werden, ihren eigenen Stil experimentell auszuarbeiten und selbstbewusst zu präsentieren.
- Theater/Akrobatik
Spaß an Ausdruck und Darstellung, sich bewusst bewegen und selbst zum Kunstwerk werden - das alles bietet die Rubrik Theater und Akrobatik. Sie vereint die Freude an Bewegung mit künstlerischem Anspruch und bietet viel Raum zum freien Experimentieren. Bei Theater- und Akrobatikkursen wird sowohl der einzelne Akteur als auch das Zusammenspiel in der Gruppe thematisiert. Selbstin-szenierung spielt für Jugendliche eine wichtige Rolle, das Thema „Wie sehe ich mich und wie werde ich von anderen gesehen“ ist in ihrem Alltag in der „peer-group“ zentral. Die Kurse und Workshops greifen diese Thematik kritisch auf: Nicht die reine Orientierung an Anderen und die bloße Nachahmung, sondern das sich selbst finden und ausdrücken soll im Vordergrund stehen, Theater spielen eine Form der Selbsterfahrung sein. Ebenso wichtig ist das Spiel in der Gruppe, das immer eine Auseinandersetzung damit impliziert, wo die Kinder und Jugendlichen sich selbst zurücknehmen müssen damit ein Miteinander möglich ist, und wie durch ein gegenseitiges Unterstützen und aufeinander Eingehen ein harmonisches Spiel und Gesamtwerk entsteht. Neben dem Spiel steht das Gestalten von Kulissen und Requisiten, hier werden verschiedene Kunstformen zusammen geführt. Der pädagogische Anspruch dieser Arbeitsweise ist immanent: Teamfähigkeit, Persönlichkeits-entwicklung, Integration sind nur einige Leitmotive. Aktuell werden unter anderem Jonglierkurse und Theater-workshops angeboten.
- Alte Handwerkskünste
Der Arbeit mit Naturmaterialien und der Anwendung tradierter Handwerkstechniken wird im Kreml-Kulturhaus eine eigene Kurssparte gewidmet. Kerngedanke dabei ist nicht nur die Übermittlung von Kulturgut an jüngere Generationen, sondern auch das Zugänglichmachen der Gewinne, die die Teilnehmer-/innen durch das Anwenden alter Techniken erhalten können: Das Bearbeiten eines Werkstoffes mit den Händen bedeutet einen sehr intensiven, direkten Umgang mit Material. Die Grob- und Feinmotorik werden dabei verbessert, Alltagsgegenstände und die Arbeit, die in ihnen steckt, bewusster wahrgenommen. Auch ökologische und umweltästhetische Aspekte spielen eine große Rolle, was den Leitgedanken des Kreml-Kulturhauses entspricht.
Das Programm umfasst Kurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten, dabei reicht das Spektrum von der Arbeit mit Holz über Töpferkurse, Filzen bis hin zum Silber-schmieden. Workshops, die sich speziellen Kulturen und deren Handwerkskünsten widmen, komplettieren das Bild; sie finden häufig im Rahmen eines Ferienprojektes statt.
- Musik/Tanz
Musikkultur wird seit der Gründung des Kulturhauses gepflegt. Musik ist ein starkes Ausdrucksmittel, der Genuss von Musik allein oder mit vielen Menschen ist ästhetisches Erlebnis und Pflege sozialer Kontakte zugleich. Eine musikalische Ausbildung fördert das Verständnis von Kindern und Jugendlichen für die Musik, die sonst häufig oberflächlich „konsumiert“ wird. Zudem werden durch das Erlernen eines Instruments viele kognitive Fähigkeiten trainiert: Rhythmusgefühl und Koordinationssinn, Abstraktionsver-mögen und kreatives Denken verbessern sich dauerhaft. Das gilt keineswegs nur für klassische Instrumente - gerade moderne Instrumente wie E-Gitarre oder Perkussions-instrumente sprechen Jugendliche besonders an. Die Arbeit mit moderner Musik ermöglicht daher das Erreichen von Zielgruppen, zu denen sonst pädagogisch nur schwer durchzudringen ist.
Entsprechend positiv ist die Resonanz der seit einigen Jahren existierenden Kurse, die sich Schlagzeug und E-Gitarre/E-Bass widmen. Hier wird besonderer Wert darauf gelegt, den Musikgeschmack der Teilnehmer-/innen zu berücksichtigen, da Musik als Ausdruck einer Lebenswelt immer einen intimen Wert besitzt. Modernen Musikwelten der Kinder und Jugendlichen den künstlerischen Anspruch abzusprechen bedeutete demzufolge, sie und ihre Persönlichkeit nicht zu respektieren, sie nicht auf Augen-höhe wahrzunehmen - was keinesfalls im Interesse einer Jugendkunstschule liegen kann. Der gut etablierte Band-Kurs versteht sich als eine Plattform für junge Menschen, die sich musikalisch ausprobieren und ausleben möchten, und will demonstrieren, dass sie und ihre Musik ernst genommen werden. So wird nicht nur ein Treffpunkt geschaffen, bei dem sich Bands aus interessierten Jugend-lichen formen können - die Gruppen werden fachmännisch begleitet und können bei Festivals auf der hauseigenen Bühne auftreten.
- Literatur
Die Überzeugung, dass die Rezeption und eigene Erstellung von Texten einen kulturhistorisch und gesellschaftlich wichtigen Part im Leben ausmacht, sowie die Erkenntnis, dass Lesen positiv zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beiträgt, stehen hinter dem Angebot an Kursen mit literarischen Inhalten. Lesen bildet und hat einen eigenen Genusswert, freies Schreiben ist ein höchst kreativer und anspruchsvoller Prozess. In der schulischen Ausbildung werden jedoch beide Tätigkeiten leider in einer Weise behandelt, die den freien und selbstständigen Zugang zur Literatur von Kindern und Jugendlichen häufig hemmt. Spaß und Lust an der Auseinandersetzung mit Texten zu wecken ist daher ein großes Anliegen der Jugendkunstschule. Genauso gilt es, die jungen Menschen zu fördern, die bereits ein großes Interesse an Literatur haben, aber in ihren Altersschichten auf Unverständnis oder Ablehnung stoßen.
In Zusammenarbeit mit einer lokalen Bücherei werden in regelmäßigen Abständen unter anderem Themennach-mittage zu bekannten Autoren angeboten, bei denen die Beschäftigung mit Büchern mit passenden Spielen und Kreativangeboten kombiniert wird. Vor allem Kinder im Grundschulalter werden so bewusst spielerisch an Bücher herangeführt und können sich in ihrem eigenen Tempo mit ihnen auseinandersetzen.
Um das kreative Schreiben zu fördern werden Wettbe-werbe veranstaltet, die sich an unterschiedliche Alters-schichten richten, zusätzlich wird ein Treff für junge Autoren angeboten
- Kunst und Natur/ LandArt
Kunst in und mit der Natur hat eine besondere Faszination. Das bewusste Erleben der Umwelt und das Wirken in der Natur hat viele Altmeister inspiriert, Landschaft und Lebensraum zieht sich als Thematik durch alle Kunstepochen. Im routinierten Alltag der Multimedia-Generation spielt jedoch Natur eine stark untergeordnete oder sogar gar keine Rolle mehr. Während schon die Stürmer und Dränger die Befürchtung hatten, die Ideen der Aufklärung würden eine Gesellschaft aus reinrationalen „Missmenschen“ (vgl. dazu Friedrich Schiller, Vorwort aus „Die Räuber“) hervorbringen, die jeden Kontakt mit der Natur verloren haben, ja im wahrsten Sinne des Wortes „entwurzelt“ sind, sieht sich der moderne Mensch mit einer hochdigitalisierten Welt konfrontiert, der es an Ursprünglichkeit und Erdung weitestgehend fehlt. Die reine Freizeitgestaltung durch Unterhaltungsmedien wirkt sich nachhaltig und graduell negativ auf Intellekt und emotionale Intelligenz aus, auch gesundheitliche Schäden können davongetragen werden.
Eine Sensibilisierung für die reale Umwelt und das Heranführen an eine bewusste Auseinandersetzung mit Fauna und Flora sowie ökologischen Problemstellungen wird mit dem Kursangebot der Sparte Kunst und Natur bzw. Landart angestrebt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einer interessenorientierten Herangehensweise, die den Teilnehmer-/innen kein moralisches Korsett aufzwingt, sondern vielmehr Anreize zum eigenständigen Entdecken gibt. Natürlich ist auch hier der künstlerische Beitrag zentral: Umweltästhetik und Gestaltung in und mit der Natur sind spannende Themenfelder, in denen auf vielfältige Weise gearbeitet werden kann. Die Bandbreite reicht dabei von Flecht- und Filzworkshops mit Natur-materialien über kreative Arbeiten zu Naturvölkern /-kulturen, kreative Umweltbildung und Ökologie, bis hin zu Installationsarbeiten auf den zur Jugendkunstschule zugehörigen Außengeländen. Entstandene Skulpturen und Landart werden zudem in Verbindung mit einer Wander-route der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
- Ferienprojekte
In den Oster-, Sommer- und Herbstferien werden einwöchige Kurse angeboten, die speziell auf Schüler als Zielgruppe zugeschnitten sind. Durch die zeitlich dichte Abfolge von Bildungsmodulen ist die Inhaltsvermittlung und Effektivi-tät sehr hoch. Auch können sich gerade Kinder so besonders gut auf das behandelte Thema einstellen, Schwellen-ängste werden leicht überwunden. Für Eltern, die in der Ferienzeit ihrer Kinder arbeiten, gibt es spezielle Kinder-betreuungsangebote, sodass Kinder während der Arbeits-zeit bis zum Veranstaltungsbeginn bzw. danach bis zum Abholen durch die Eltern direkt vor Ort betreut sind.
Die Kurse und Workshops sind immer auch als Erlebnis-programm ausgelegt - der Spaß bei der Sache steht im Vordergrund. Kerngedanke ist das Konzept des Erlern-ens durch Erleben, das im Vergleich zum überholten konventionellen Bildungskonzept gerade für junge Ziel-gruppen erfolgreich greift und auch auf die humane Senso-motorik eingeht. Durch die enge Verknüpfung mit sensuellen Eindrücken wird die Information einprägsam und impliziert ein realitätsnahes Lernen, das einen Kontrapunkt zum stark theoretischen, alltäglichen Unterricht der Schulen darstellen soll. Kunst wird hier zum Abenteuer, sie soll kein Monolog sein sonder vielmehr eine multilaterale Erfahrung, die einen intensiven Eindruck zurücklässt.
Eine gewisse Tradition besitzt so zum Beispiel die Oster-werkstatt oder auch die Herbstspiele, bei denen Skulpturen und Objekte passend zur Jahreszeit zumeist mit Natur-materialien kreiert werden. Auch kleinere Kunstwerke oder Gemälde, die bei anstehenden Festen verschenkt werden können, sind Teil des Programms. Häufig steht am Ende eines Ferienprojekts ein gemeinsam vorbereitetes Ab-schlussfest, bei dem Verwandte und Freunde, aber auch einfach Kunstinteressierte die Werke der jungen Künstler bestaunen können.
- Kunst und Kultur in Kooperation mit Schulen und anderen Institutionen
Das Kulturhaus Kreml versteht sich als Jugendkunstschule und auch als Drehscheibe für Kreativangebote im lokalen Raum. Die Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen soll vor allem der Publikation von junger Kunst dienen, Schüler die Möglichkeit haben, ihre eigenen Werke einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Im Kern steht dabei der Wunsch nach Förderung des generationenübergreifenden Kunstverständnisses und der Abbau von Vorurteilen ge-genüber Jugendlichen im Zentrum des Interesses.
Die Ausstellungen von Gemälden, die häufig im Rahmen des Schulunterrichts oder in Gruppenarbeiten entstanden sind, finden daher in den gleichen Sälen statt, in denen normalerweise Künstler ausstellen. Auch werden die Aus-stellungen gleichen festlichen Rahmen eröffnet und publiziert. Diese Art der Wertschätzung wird von den Schülern sehr positiv wahrgenommen und stärkt ihr Selbstbewusstsein; die Schüler werden ermutigt, sich weiter der Kunst zu widmen.
Auch Theatergruppen der umliegenden Schulen können die Lokalitäten der Jugendkunstschule nutzen, sei es für zusätzliche Proben an Wochenenden oder Aufführungen auf der Theaterbühne des Kulturhauses. Weiter Kooperat-ionsprojekte finden regelmäßig im Rahmen des Kultur-sommer statt, bei denen zu wechselnden Themen gearbeitet wird, geplant ist außerdem eine Zusammenarbeit im Nachmittagsbereich der Ganztagsschule..
